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guna

Guna

Guna (Guṇa) bedeutet: Eigenschaft, Qualität, Kette, Fessel, Strick, Seil. Die Texte unterscheiden zwischen dem trägen finsteren Tamas, auch Tamah (Dunkelheit, Unwissenheit, Trägheit), dem aktiven feurigen Rajas, auch Rajah (Leidenschaft, Aktivität, Ruhelosigkeit) und dem stillen leichten Sattva (Reinheit, Klarheit).

Die drei Gunas der Maya

Zur klaren Erkenntnis der Welt und des Menschen gehört gemäss den Schriften vor allem das Wissen von den drei Gunas der Maya.

  1. Wenn in einem Menschen der Guna Sattva vorherrscht, so sind die Auswirkungen: Im Sinne der Schriften (des Veda) zu handeln und zu sprechen; aufrichtig sein; freigebig sein; den Geist zu zügeln; die Sinne zu beherrschen; Ausdauer; Leid ertragen zu können; gegen sich selbst hart sein (diszipliniert); Zufriedenheit mit jedem Mass des Erwerbs; Fähigkeit auf etwas zu verzichten; höfliche Bescheidenheit; Überlegung; kritisches Unterscheiden; Bemühen, das sich in den Grenzen des Gesetzes und der Schicklichkeit hält; Vertrauen in die offenbarten Schriften; Freiheit von Lug und Betrug; Barmherzigkeit. (Bhagavatam 11.25.2)
  2. Wenn in einem Menschen der Guna Rajas vorherrscht, so sind die Auswirkungen die folgenden: Begehren nach Genuss (sowohl sinnlich als auch intellektuell); geschäftige Tätigkeit und Rastlosigkeit; blinder Stolz; trotz Erlangung dessen, was man begehrt, ist man unzufrieden; Hochmut; zu höheren Mächten (Halbgöttern oder auch zu Gott, dem Herrn aller Götter) um Reichtum und dergleichen zu beten; sich selbst verschieden und besser als andere zu fühlen; geniessen von Sinnesobjekten; Begeisterung für Krieg und Kampf; Schätzung des eigenen Ruhmes und Namens; die Neigung andere Wesen lächerlich zu machen; seine eigene Kraft zur Schau stellen und sich damit brüsten; grosse Anstrengung, sein Ziel mit Gewalt zu erreichen. (Bhagavatam 11.25.3)
  3. Die Auswirkungen des Guna Tamas sind: Ärger auf Grund von Ungeduld und Mangel an Ausdauer; Besitzgier; Geiz; unwahre und den Schriften entgegengestellte Redeweise; Grausamkeit1); auf Kosten anderer leben; Vorgeben etwas zu sein, was man nicht ist; sich müde fühlen; zu viel schlafen; sich selbst bemitleiden; niedergeschlagen sein, sich unglücklich fühlen; Furchtsamkeit; Trägheit. (Bhagavatam 11.25.4)

Die Bhagavad-Gita enthält einige Darstellungen des Wesens der Gunas. Noch ausführlicher ist die Guna-Lehre im Bhagavatam (z.B. 11, Kap. 25). Dort wird unter anderem genau analysiert, was gunahaftes Wissen, gunahafte Überzeugung oder gunahafte Freude ist, und welches Wissen, welche Überzeugung und welche Freude über den Gunas der Maya liegt.

Krishna erklärt:

"Das reine Wissen vom Atman und Brahman ist sattvahaft.
Das Wissen vom Menschen als Einheit von Körper und Geist ist rajashaft.
Das alltägliche Wissen, das sich bloss auf irdisches Wohl bezieht, ist tamashaft.
Doch das Wissen, das in mir gründet, ist frei von den Gunas."
(Bhagavatam 11.25.24)

"Sattvahaft ist die tatkräftige Überzeugung, dass das Forschen nach dem Atman der Sinn des Lebens sei.
Rajashaft ist die Überzeugung, dass der Zweck des Lebens das Erfüllen der den Menschen gebotenen Pflichten sei.
Tamashaft ist die Überzeugung, dass das Nichtbeachten (dieser Pflichten) der Zweck des Lebens sei.
Tatkräftige Überzeugung aber, dass das Mir-Dienen der Zweck des Lebens sei, ist frei von den Gunas."\\(Bhagavatam 11.25.27)

"Die Freude, die aus dem Selbst (Atman) entsteht, ist sattvahaft.
Die Freude, die aus der Berührung der Sinne mit den Sinnesobjekten entsteht, ist rajashaft.
Die Freude, die aus Verwirrung und Erniedrigung entsteht, ist tamashaft.
Die in mir gründende Freude ist jenseits der Gunas."
(Bhagavatam 11.25.29)

Mit harter Klarheit wird im Bhagavatam betont, dass nicht nur Grobphysisches, sondern auch alles Geistig-Intellektuelle der Maya zugehört:

"Das wirkliche Selbst (Atman) - ist nicht der Körper, der aus Erde besteht, noch die Sinne oder die Götter, die über sie wachen; nicht Atem, Wind, Wasser, Feuer, nicht der Geist (Verstand, manas); all dies ist einfach Materie. Auch nicht Intelligenz, noch materielles Bewusstsein, nicht das (falsche) Ichbewusstsein, nicht Äther oder Erde, noch die Objekte der Sinneswahrnehmung und auch nicht die ungestaltete Urkraft der Materie können als das Selbst (Seele) bezeichnet werden.
(Bhagavatam 11.28.24)

"Oh, bester unter den Menschen (Uddhava), alle Dinge und Gefühle, die 'im Menschen' und 'in der Natur' gründen, bestehen aus den drei Gunas der Maya. Auch alles, was er sieht und erlebt, alles, was er hört, und alles, was er mit seinem Geiste denkt."
(Bhagavatam 11.25.31)

"Das aus den Gunas stammende Tun und Lassen, bestimmt die Art des Umhergetriebenwerdens des Menschen in der Wandelwelt (von Geburt zu Geburt)."
(Bhagavatam 11.25.32)

Auch die Religion, wenn sie noch irgend einen Lohn anstrebt oder für treue Pflichterfüllung ein (vergängliches) Himmelsglück nach dem Tode verspricht, ist von dieser harten Scheidung zwischen den Kategorien Maya und Bhakti nicht ausgeschlossen. In der Bhagavad-gita spricht Krishna als göttlicher Guru (Lehrer) zu seinem Schüler Arjuna:

"Die Veden handeln von den drei Gunas der Maya. Werde frei, oh Arjuna, von den drei Gunas. Sei über der Dualität der Maya, frei vom Trieb zu erraffen und festzuhalten, wurzle im reinen ewigen Sein, sei im Atman gegründet."
(Bhagavad-Gita 2.45)

Diese drei Gunas werden von der Ehefrau Shivas, Durga verkörpert. Sie ist die personifizierte Shakti Shivas, die personifizierte Maya. Als seine Ehefrau ist sie, ebenso wie Shiva selbst, ein Bhakta, eine liebende Dienerin und Geweihte Krishnas.

Diese Wunderkraft Gottes, die Maha-Maya, besitzt die Fähigkeit, dass sie jedem einzelnen Wesen - entsprechend dem Grad seiner Unwissenheit - die ihm entsprechende "Wirklichkeit" zum Erleben entgegenhält. Ihre Aufgabe ist es, den Gottabgewandten die wahre Wirklichkeit zu verhüllen und ihnen statt dessen scheinbare Wirklichkeit vorzuführen.
Im Gegensatz zur Yoga-Maya, die unmittelbar mit Krishna selbst verbunden ist. Yoga-Maya ist seine herrliche Kraft des Seins, der Erkenntnis und der Liebe. Ihre Aufgabe ist es, in immer neuen Entfaltungen den Gottzugewandten unendliche wahre Wirklichkeit vorzuführen, aber dabei, zur Steigerung des ewigen Spiels, bestimmte Aspekte des Herrn verhüllt oder hervorhebt. So verhüllt sie zum Beispiel oft Gottes Allmacht und Majestät, um seine göttliche Lieblichkeit und Süsse völlig aufleuchten zu lassen.2)

1)
Z.B. das Töten von Tieren, nicht des Überlebens willen, sondern allein um der Befriedigung der Zunge willen.
2)
Zusammengefasst aus Krsna-Caitanya - Sein Leben und Seine Lehre von Walther Eidlitz; 1968
guna.txt · Zuletzt geändert: 2014/06/27 11:58 (Externe Bearbeitung)